Schwarzwald-Geschichte(n)
Schwarzwald-Geschichte.
„Wie stark musste sich der Mensch von seinen Gefühlen leiten lassen, als es im Schwarzwald noch kein elektrisches Licht, keine Straßen und überhaupt im Winter keine Verbindung zur Umwelt gegeben hat.
So entstanden dann die schauerlichen Geschichten des Schwarzwalds um die Namen, welche uns bis heute – Gott sei Dank auf der Landkarte und im Volksmund – erhalten geblieben sind. Ob im „Mörderloch“ jemals ein Mord stattgefunden hat, wird kaum nachzuweisen sein. Aber dunkel ist es in jener Ecke schon immer gewesen, und im Dunkeln saßen auch gern die Mörder.“
Dem Verfasser eines Wanderbuches mag es wohlig gegruselt haben bei der Niederschrift dieser Meldung.
Ja, urig war es im Schwarzwald, und gerne bestaunt der von weither kommende zivilisationsmüde Reisende die letzten Relikte dieser „schauerlichen“ Zeit in Wort und Bild. Überdenkt man aber einmal eine kleine Minute lang die geographische Lage des Gebirges, so fällt auf, dass alle drei großen Städte, nämlich Straßburg, Freiburg und Basel in Fußmärschen von ein oder zwei Tagen zu erreichen waren.
Eine alte Römerstraße führte das Wagensteigtal hinauf – lange bevor das Höllental begehbar war. Auch vom Glottertal führt über St. Peter eine Straße zum Turner und dann weiter durch das Urachtal und Hammereisenbach ostwärts. Die Glasträger aus dem Schwarzwald verkauften ihre Waren bis in Rheinland hinunter. Die Herstellung von Holzwaren blühte, ebenso der Bergbau, der erst im 16. Jahrhundert unrentabel wurde. Anstatt mit diffusen Gespenstern hatte die Bewohner dieser Gegend ihre Not mit plündernden und marodierenden Truppen in den Kriegszeiten. Hier wurde die gute Erschließung des Wegenetzes zum Fluch für die Einheimischen.
Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges waren kaum überstanden („Am 4. April 1630 haben Weimarer Truppen Triberg eingenommen, Vöhrenbach und Furtwangen geplündert und sind wieder zurückgekehrt.“), als die Schwarzwaldbewohner unter den Durchzügen französischer Truppen in den französisch-österreichischen Kriegen zu leiden hatten. „Die Kaiserlichen aber zogen sich auf die Gebirge des Schwarzwaldes zurück und verschanzten sich dort auf den Anhöhen von Breitnau, vom Hohlen Graben gegen die Glashütte und durch den heiligen Wald hinauf; gerade hier war eine für die Franzosen sehr gefährliche Schanze. Die waghalsigen Schwarzwälder von Gütenbach und Neukirch, welche ja die Gegend gut kannten, verbargen sich hier und erschossen so mache Franzosen, die über die Höhen von St. Märgen in das Wildgutachtal herüber streiften.“
Von dieser Schanze hat ein Zinken in jener Gegend heute noch den Namen „Mörderloch“, meldet eine Chronik von Gütenbach. Es dann durchaus sein, dass dort mehrere Morde stattgefunden haben und dass die Mörder ansonsten achtbare Menschen waren, die das Tageslicht nicht zu scheuen brauchten. Aus Notwehr handelten sie, nicht aus den Tiefen eines barbarischen, unzivilisierten Geistes heraus.
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