Zum Inhalt

Waldkircher Hexensabbat: Kandelhexen und Brauch erleben

Der Hexensabbat ist der besondere Fasnetabend der Waldkircher Kandelhexen. Auf dem Marktplatz entfaltet sich ein festes Spiel aus Ruf, Musik, Aufnahmezeremonie, Tanz und dem Läuten der Glocken von St. Margarethen. Wer den Brauch besucht, erlebt eine örtliche Tradition, deren Figuren und Ablauf eng mit der Narrenzunft Krakeelia verbunden sind.

Anzeige

Ablauf des Hexensabbats

Der Hexensabbat wird traditionell am Samstagabend nach dem Schmutzigen Dunschdig auf dem Waldkircher Marktplatz eröffnet. In der überlieferten Zeremonie ruft der Teufel die Kandelhexen auf den Platz beim Marktbrunnen. Die Stadtmusik spielt den Narrenmarsch, während sich die Hexen um die beiden Feuerstellen versammeln und dem Meister lauschen. Der Ruf „Hexe, Hexe, stelze rab vum Kandelfelse“ gehört zu den markanten Worten des Abends.

Ein besonders eindrucksvoller Teil ist die Aufnahme neuer Hexen. Die Kandidaten warten zunächst mit ihrem Kopfputz, bis der Teufel sie einzeln aufruft. Im Spiel erhalten sie einen Besen und einen Auftrag. Die Zeremonie führt sie Schritt für Schritt in die Gruppe ein. Nach einem Tusch der Stadtmusik setzen die Neuen ihre Masken auf und mischen sich als Kandelhexen unter die älteren Figuren. Das Ritual macht sichtbar, wie die Narrenzunft ihre Figuren und den Brauch an neue Mitglieder weitergibt.

Danach rückt der Hexentanz in den Mittelpunkt. Die Kandelhexen tanzen zur Musik um das Feuer; der Hexenmarsch prägt den klanglichen Charakter des Sabbats. Das Läuten der Glocken von St. Margarethen markiert in der überlieferten Dramaturgie das Ende des Spektakels. Im Anschluss zieht das närrische Treiben weiter durch die Waldkircher Straßen und Lokale.

Kandelhexen, Teufel und Musik

Die Kandelhexe wurde 1974 als neue Narrenfigur der Narrenzunft Krakeelia vorgestellt. Ihre Gestaltung geht auf Entwürfe des Waldkircher Künstlers Hans Hoch zurück. Die Hutmacherin Sigrid Bickel entwickelte daraus den charakteristischen Kopfputz; der Holzbildhauermeister Konrad Wernet schnitzte die erste Maske aus Lindenholz. Diese markante Ausstattung prägt den Auftritt der Hexengruppe bis heute.

Am 8. Februar 1975 traten die ersten elf Hexen gemeinsam mit dem Teufel erstmals öffentlich auf dem Marktplatz auf. Das Zeremoniell stammt aus der Anfangszeit der Figur und verbindet den Ruf vom Kandelfelsen mit dem Auftritt auf dem Platz. 1976 wurde die Kandelhexe als Maskengestalt innerhalb der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte anerkannt.

Zur musikalischen Tradition gehören mehrere eigene Stücke. Werner Rigling komponierte 1977 den Schunkelwalzer „Waldkircher Hex“. Der Hexenmarsch von Hubert Rambach und der Stadtmusik feierte 1978 seine Premiere. Beim Hexensabbat begleitet die Musik den Auftritt und den Tanz der Kandelhexen; so wird die Erzählung des Abends auch akustisch zusammengehalten.

Den Besuch am Marktplatz planen

Der Marktplatz beim Rathaus ist der zentrale Ort des Hexensabbats. Die Veranstaltung fällt in die Fasnetzeit und zieht viele Zuschauer an. Wer das Geschehen gut verfolgen möchte, plant genügend Zeit für den Weg zum Platz ein und orientiert sich vor Ort an den Hinweisen der Veranstalter und Einsatzkräfte. Bei Feuer, Tanz und dichtem Publikum sind freie Wege und Absperrungen zu respektieren; Kinder bleiben am besten in der Nähe ihrer Begleitpersonen.

Der überlieferte Ablauf nennt den Samstagabend nach dem Schmutzigen Dunschdig und als traditionellen Beginn 19 Uhr. Für den konkreten Besuch sind die jährlich veröffentlichten Angaben der Narrenzunft maßgeblich, denn Anfangszeiten und Programmdetails können für einzelne Ausgaben angepasst werden. Prüfen Sie daher vor der Anreise das aktuelle Fasnetprogramm von Krakeelia. So lassen sich Ankunft und Aufenthalt passend zur jeweiligen Veranstaltung planen.

Der Marktplatz liegt in der Waldkircher Innenstadt. Für eine Anreise mit Bus oder Bahn lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Verbindungen und den Fußweg zum Rathausplatz; bei der Autofahrt sollten die Hinweise zu Verkehr und Parken für den Veranstaltungstag beachtet werden. Ein früheres Eintreffen schafft mehr Spielraum, um einen geeigneten Platz am Rand des Publikumsbereichs zu finden. Wettergerechte Kleidung und festes Schuhwerk machen den Aufenthalt im Freien angenehmer.

Wer den Fasnetabend mit einem Stadtrundgang verbindet, findet im Waldkirch-Führer Orientierung zu Altstadt, Marktplatz und den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ein Überblick über weitere regionale Bräuche steht im Beitrag Fasnet im Schwarzwald.

Vom ersten Auftritt zur Waldkircher Fasnettradition

Die Kandelhexe entstand aus der Suche der Narrenzunft nach einer weiteren eigenen Figur. Nach ersten Überlegungen Ende der 1960er-Jahre begeisterte 1972 ein Auftritt mit dem charakteristischen Hexenspruch das Publikum beim Zunftabend. In den folgenden Jahren wurden Maske, Kopfputz und Häs ausgearbeitet. Die öffentliche Premiere des Hexensabbats 1975 machte die Figur auf dem Waldkircher Marktplatz bekannt.